Schwarzenbek Renovierung am Grabstein von Friedrich-Compe

Compestein -Malaika Krohn

Compe Compestraße, Compeschule, Compestein – diese Begriffe sind in der Europastadt allgegenwärtig.

Am 27. Juni 1827 wurde Friedhof  Friedrich Wilhelm Compe auf dem Schwarzenbeker begraben, welcher sich zu dieser Zeit noch an der alten Schwarzenbeker Kirche befand.
Heute wird der Grabstein, der sich neben der St. Franziskus - Kirche befindet umgangsprachlich als Compe-Denkmal tituliert. Dies ist aber nicht so, es handelt sich tatsächlich um sein Grab und nicht um einen Gedenkstein.
„Als der Gehweg abgesackt war, haben wir im Untergrund noch Mauerreste der Krypta gefunden“, so Schöer.

Zustimmung zur Sanierung durch den Kirchengemeinderat

Weil der Grabstein auf Kirchengrund steht, musste auch der Kirchengemeinderat seine Zustimmung geben und das Denkmalamt der Nordkirche einschalten, die sich wiederum mit den Landesdenkmalschützern kurzschlossen und die Restaurierung nach einem ausgearbeiteten Plan genehmigten.

Diplom-Restauratorin Malaika Krohn aus Timmendorfer Strand reinigte fachgerecht den Grabstein und besserte ihn aus. Bei der Sanierung geht es nicht darum, das Denkmal in einen neuwertigen Zustand zu versetzen, so Krohn: „Ich erhalte die Idee des Denkmals, füge nichts neues hinzu.“ Abplatzungen durch Wasser und Vandalismus sowie den Algenbewuchs wurden entfernt und auch die Farbgestaltung wieder hergestellt: Krohn färbte auch die stilisierte Urne im Fuß des Denkmals sowie die Schrift auf Vorder- und Rückseite wieder schwarz ein.

Geld für Sanierung binnen drei Monaten gesammelt

2500 Euro kostet die Sanierung. Das Geld hat Berger binnen drei Monaten gesammelt: „Als ich vor vier Jahren Vorsitzende wurde, hatte ich schon gesagt, dass das Grabmal saniert werden muss.“ Als sie dies auch bei einem ihrer Vorträge erwähnte, drückten ihr die Besucher beim Hinausgehen Geld in die Hand: So kamen die ersten 58 Euro zusammen. 500 Euro gaben auch die Raiffeisenbank Lauenburg, neben deren Filiale am alten Markt der Gedenkstein steht und der Kreisverband des Heimatbundes.

Wer war Friedrich Wilhelm Compe?

Amtmann Friedrich Wilhelm Compe (28.08.1751 – 21.06.1827)wurde im niedersächsischen Hardegsen geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern waren Compe und sein Bruder Vollwaisen. Der Bruder seiner Mutter ermöglichte ihm das Jurastudium in Göttingen. Nach dessen Abschluss arbeitete er in verschiedenen Ämtern im Hannoverschen. Zu dieser Zeit war das Herzogtum Lauenburg in Personalunion verbunden mit dem Kurfürstentum Hannover.1788 kam er als „Zweiter Beamter“ nach Ratzeburg. 1793 folgte der Wechsel nach Schwarzenbek und die Beförderung zum „Ersten Beamten“.
Als Amtmann ab 1799 war er sowohl Verwaltungsbeamter als auch Gerichtsherr in seinem Verantwortungsbereich. Dieser umfasste 22 Dörfer und den Sachsenwald.
Gleich nach seinem Amtsantritt entwickelte Compe zusammen mit dem damaligen Pastor Wagner den PIan einer „Industrieschule“. In dieser Schule sollten Mädchen und Knaben Unterweisung in praktischen Dingen erhalten. Die Schule bestand fast 100 Jahre.

Als zweites großes Vorhaben führte Compe die erste Flurbereinigung (Verkoppelung) seit Anlegung der Dörfer im 12. und 13. Jahrhundert durch. Dieses Vorhaben gelang ihm aufgrund seines besonderen Verhandlungsgeschicks so gut, dass ihn weitere Dorfgemeinschaften im Herzogtum Lauenburg darum baten, verkoppelt zu werden.

In Compes Amtszeit fielen als weitere wichtige Ereignisse die Besetzung durch die Franzosen sowie der anschließende Fall des Herzogtum Lauenburg an Dänemark im Jahr 1815. Compe entschied sich für den Verbleib in Schwarzenbek, trat in dänische Dienste ein und baute eine gute Beziehung zum dänischen König auf. König Frederik VI. kam 1817 in sein neues Herzogtum und verlieh Compe den Danbebrog-Orden, gleichzeitig wurde er als Danebrogmann in den Kreis der dänischen Ritterschaft aufgenommen.

Obwohl er zeitlebens als kränklich galt, starb Compe am 21. Juni 1827 im Alter von knapp 76 Jahren, was für damalige Verhältnisse doch recht alt war. Er hatte keine direkten Nachkommen, hatte allerdings die zwei Kinder seines früh verstorbenen Bruders adoptiert.

Am 27. Juni 1827 wurde Friedhof  Friedrich Wilhelm Compe auf dem Schwarzenbeker begraben. Dieser Friedhof befand sich zu dieser Zeit noch an der alten Schwarzenbeker Kirche.
Nur weil 1838 rund um die Kirche kein Platz für weitere Gräber vorhanden war, wurde die Anlage an der Uhlenhorst, damals noch außerhalb von Schwarzenbek gelegen, als „Neuer Friedhof“ (heute ist es der Alte Friedhof) in Betrieb genommen. Der alte Friedhof an der Kirche wurde letztendlich mit der letzten Beerdigung am 21. August 1838 geschlossen, blieb aber noch einige Jahre bestehen. Erst 1859 wurde er mit Linden bepflanzt und planiert, lediglich der Grabstein Friedrich Wilhelm Compes blieb vermutlich aufgrund seiner hohen Bedeutung bis heute vor Ort.

Quellen:
Dr. Anke Mührenberg, Aufsatz über Compe zum Spendenaufruf des Heimatbund und Geschichtsvereins, Bezirksgruppe Schwarzenbek, zur Restaurierung des Compe-Grabmals
Bergedorfer Zeitung vom 04.06.2020
Eckhard Gerber, Rede zur Compe-Feier 2001

 

Restauratorin Malaika Krohn an dem Compa-Grabstein

Compe-Grab mit Inschrift vor der Renovierung

Compe-Grabstein vor der Renovierung

Compegrabstein - Fries vor der Restaurierung

Compe-Grabstein nach der Renovierung